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Streit zwischen Altona 93 und Teutonia: Warum die Beziehung so kompliziert ist
Hamburg. Der Protest Teutonias im Hamburger Derby gegen Altona 93 wirkt nach. Dabei gibt es gemeinsame Interessen. Aber auch Brandherde.
Es ist mitunter faszinierend, wie unterschiedlich Menschen Gespräche wiedergeben, obwohl sie sich im selben Raum befunden haben. „Teutonias Vorsitzender Siegmar Kuntze und sein sportlicher Leiter Marc Hartmann haben mir gesagt, sie hätten den Grund für ihren Protest gegen die Derbyniederlage bei uns selbst recherchiert. Später hat Teutonias Trainer Mehdi Saeedi-Madani auf einer Pressekonferenz öffentlich zugegeben, Teutonia sei von Dritten über unseren angeblichen Regelverstoß informiert worden. Mir wurde also die Unwahrheit erzählt“, sagt Ragnar Törber, Vorsitzender von Altona 93.
Siegmar Kuntze, Präsident des FC Teutonia 05, schüttelt konfrontiert mit diesen Worten den Kopf. „Wir haben gegenüber Ragnar Törber immer klar kommuniziert, dass wir durch Dritte über die Verletzung der Sorgfaltspflicht von Altona 93 informiert wurden. Jede andere Darstellung ist falsch“, erklärt Kuntze.
Altona gegen Teutonia: Worum es in dem Streit geht
Der Protest Teutonias gegen das 1:6 bei Altona 93 wegen des Einsatzes von Marijo Saric (23), dessen Spielberechtigung für Altona wegen zweier Testspiele für Nikola Tesla Anfang Juli infrage stand, war in zweiter Instanz kurios gescheitert. Das Verbandsgericht bescheinigte Altona 93 zwar eine Verletzung der Sorgfaltspflicht; es ließ das 6:1 für Altona aber bestehen, weil der Spielausschuss unüblicherweise Sarics Spielberechtigung nicht rückwirkend eingezogen hatte.
Törber bestreitet die Verletzung der Sorgfaltspflicht bis heute. Kuntze verweist darauf, sie sei erwiesen. Törbers deutliche Worte nach dem Urteil („Teutonia nervt nur noch“) konterte Kuntze („respektlos“) ebenso klar. Entschuldigen will sich Törber für seine Aussagen nicht: „Ich habe gesagt, was ich über diesen Protest Teutonias denke, und stehe dazu.“
Altona 93 und Teutonia 05: Wunden der Vergangenheit
So kompliziert wie die Beziehung zwischen Törber und Kuntze ist auch die Beziehung zwischen den Nachbarn Altona 93 und Teutonia 05. Zum einen hat die Vergangenheit große Wunden hinterlassen. Der ab dem Jahr 2016 investorengetriebene Fußball Teutonias mit zwei Aufstiegen bis in die Regionalliga Nord samt dem Ziel, Hamburgs Nummer drei zu werden, stieß bei der linksalternativen Fanszene von Altona 93 sauer auf.
Teutonias Präsident Siegmar Kuntze: „Altona 93 spricht nicht für uns.“© FUNKE Foto Services | Thorsten Ahlf
Nach dem Platzen der Teutonen-Träume mit dem Rückzug aus der Regionalliga Nord im Sommer 2025 wurde Teutonia 05 unter Präsident Kuntze wieder ein normaler Oberligist. Mit jungen, preiswerten Talenten überraschte das neue Team in der vergangenen Saison und wurde Siebter. „Das ist echter Amateurfußball. Das hat Teutonia toll gemacht“, lobt Törber bis heute.
Teutonias Einstieg in Altonas Stadionprojekt scheiterte
Doch die Vergangenheit haben viele Fans von Altona 93 nicht vergessen. Auch deshalb nicht, weil Teutonia 05 in seiner Investorenzeit versuchte, einen Fuß ins Stadionprojekt von Altona 93 am Diebsteich zu bekommen und dort statt eines Regionalligastadions eine für die 3. Liga taugliche Spielstätte bauen zu lassen, in der die Teutonen ihren Profitraum hätten verwirklichen können. Das Ansinnen scheiterte an Altonas vehementem Widerstand.
In der Gegenwart wiederum besitzen beide Vereine durchaus gemeinsame Interessen. Sowohl Altona 93 (2000 Mitglieder, davon 1400 in der Jugendabteilung) als auch der FC Teutonia 05 (1000/800) kämpfen um Platzkapazitäten. Gemeinsam mit dem Bahrenfelder SV 19 und Nikola Tesla bespielen Altona 93 und der FC Teutonia 05 vier Kunstrasenplätze an der Baurstraße im Sportpark Bahrenfeld. Die Vereine teilen sich dort die Trainings- und Spielzeiten beispielsweise für ihre Jugendteams und zweiten Mannschaften untereinander auf.
Altona 93 und Teutonia 05: Gemeinsam im Sportpark Bahrenfeld
In Planung ist auch ein fünfter Platz, dessen Bau nach Abendblatt-Informationen aktuell erst nach der Beendigung der Arbeiten am A7-Lärmschutztunnel (Hamburger Deckel) in Hamburg-Altona geplant ist. Diese ziehen sich allerdings voraussichtlich noch bis Ende 2029 hin. Die Vereine aber brauchen den neuen Platz dringend für ihre Mitglieder und halten dementsprechend intensiven Kontakt zur Hamburger Politik.
„Ich glaube, wir erreichen am Sportpark Bahrenfeld mehr für unsere Vereine, wenn wir gemeinsam auftreten. Unser Kontakt zur politischen Ebene ist gut“, sagt Törber. Die aktuelle Verteilung der Trainingszeiten auf den vier Spielfeldern befinde sich „in einem guten Gleichgewicht“. Zuletzt lief der Kontakt im Sinne der vier Clubs zur politischen Ebene oft über Törber. „Ich habe mich nicht danach gedrängt. Das hat sich so ergeben und ich mache es gern“, sagt er.
Teutonia 05: „Altona 93 spricht nicht für uns“
Kuntze wiederum kommentiert die Lage im Sportpark Bahrenfeld aus Teutonias Sicht mit anderen Akzenten: „Beim Bau des fünften Platzes an der Baurstraße können wir gerne auch gemeinsam mit der Hamburger Politik sprechen. Altona 93 spricht aber nicht für uns. Der FC Teutonia 05 vertritt seine Interessen und wird auch in Zukunft die faire Verteilung der Trainingszeiten zwischen den vier Vereinen direkt mit dem Bezirksamt abstimmen.“
Auch im Bereich der Jugendarbeit gibt es bei Altona 93 und der FC Teutonia 05 Überschneidungen. Ein früheres Angebot Teutonias, ein Mädchenteam als Spielgemeinschaft beider Vereine anzumelden, schlug Altona 93 aber aus. Der Verein hält grundsätzlich nicht viel von Spielgemeinschaften. Ob demnächst Bedarfe und Zukunftsplanung gemeinsam abgeglichen werden, ist noch offen. Kuntze befürwortet ein Treffen der Jugendleiter beider Clubs zur Auslotung einer Zusammenarbeit. Törber ist offen dafür.
Streit zwischen Altona und Teutonia: kommt es zum „Worst Case“?
Ein bisschen Frieden ist also möglich. Mehr aber offenbar nicht. Für das Rückspiel der beiden Oberligateams am 7. Februar beim FC Teutonia 05 an der Kreuzkirche hat Kuntze Polizeikräfte angefordert sowie einen professionellen Ordnungsdienst.
„Die Anti-Teutonia-05-Aufnäher können gerne mitgebracht werden, aber die Bierkisten – es gab meines Wissens nach schon ähnliche Vorfälle – müssen Altonas Fans zu Hause lassen. Es wäre schön, wenn alles friedlich bleibt, aber wir bereiten uns sicherheitshalber auf den Worst Case vor“, sagt Kuntze. Törber dazu: „Es wird nichts passieren. Unsere Fans sind kreativ und friedlich. Teutonia hat auch nicht so viele Fans, dass da groß Reibung entstehen kann. Deshalb sind uns diese Maßnahmen herzlich egal.“
