Spielwertung Altona 93 gegen Teutonia 05
Heftiger Streit: Altona 93 doch Derbysieger – Verhältnis zu Teutonia 05 ruiniert
Hamburg. Hamburger Amateurfußball: Im Krimi um das 6:1 gibt das Verbandsgericht dem AFC recht. Clubchef Törber: „Teutonia nervt nur noch“. Alle Infos.
Von Mirko Schneider, Freier Mitarbeiter
02.10.2026, 10:15 Uhr
Altonas Vorsitzender Ragnar Törber ist von Teutonia 05 genervt.© Marcelo Hernandez / FUNKE Foto Services
Der Derbysieg von Altona 93 gegen den FC Teutonia 05 behält seine Gültigkeit. Das 6:1 für Altona in der Partie der Oberliga Hamburg vom 22. August hatte das Sportgericht des Hamburger Fußball-Verbandes (HFV) am 16. September in erster Instanz in ein 3:0 für die Teutonen umgewandelt. In der Berufung beurteilte das HFV-Verbandsgericht den Fall nun anders – und wertete die Partie wieder mit 6:1 für Altona. Gegen die Entscheidung können keine sportrechtlichen Mittel mehr eingelegt werden.
„Die Sportlichkeit hat gesiegt“, freute sich Altonas Vorsitzender Präsident Ragnar Törber. „Nun können wir uns endlich wieder auf das Fußballspielen konzentrieren.“ Diese Konzentration hatte bei beiden Clubs in den vergangenen Wochen gelitten, da der Protest Teutonias das gerade wieder entspannte Verhältnis zwischen den Teutonen und Altona 93 extrem belastet hat.
Altonas Fans zu Teutonia 05: „Die Achtung für immer verloren!“
Aus Ärger über Teutonias Protest brachten Fans von Altona 93 sogar ein Banner auf Teutonias Sportplatz an der Kreuzkirche an. „Vorerst am grünen Tisch gewonnen – die Achtung für immer verloren!“ lautete die Botschaft an den nur wenige Hundert Meter Luftlinie entfernten Nachbarn.
Inhaltlich ging es bei dem Streit um die Spielberechtigung von Marijo Saric (23). Der Angreifer war am 3. August zu Altona 93 gewechselt, hatte aber Anfang Juli noch zwei Testspiele für Nikola Tesla bestritten. Tesla meldete den Spieler aber entgegen den Regularien rückwirkend zum 30. Juni ab. Somit beruhte die später vom HFV an Altona 93 ausgestellte Spielberechtigung für Saric, der gegen Teutonia in den letzten acht Minuten zum Einsatz kam, auf falschen Angaben.
Altona hat Mitschuld – aber Glück
Das HFV-Sportgericht entschied in erster Instanz, Altona 93 würde an diesem Vorgang eine Mitschuld treffen. Da der Verein Saric nicht gefragt habe, ob er ab dem 1. Juli noch für andere Vereine als Testspieler auf dem Platz stand, habe er seine Sorgfaltspflicht verletzt. Das HFV-Verbandsgericht entschied nun, Saric sei gegen Teutonia spielberechtigt gewesen.
„Das Verbandsgericht ist unserer Argumentation gefolgt. Für einen Fehler Teslas können wir als Altona 93 nichts. Und es ist auch nicht unsere Aufgabe, die korrekte Ausstellung der Spielberechtigung zu prüfen“, erklärte Altonas Vorsitzender Törber. „Außerdem wurde die Spielberechtigung für Marijo erst nach dem Derby gegen Teutonia zurückgezogen. Deshalb durfte er gegen Teutonia auch spielen.“
Entgegen Törbers Darstellung stellte das HFV-Verbandsgericht allerdings fest, Altona habe sehr wohl seine Sorgfaltspflicht verletzt. Nur habe der Verband die auf falschen Angaben beruhende Spielberechtigung für Saric erst am 31. August aufgehoben – und dies unüblicherweise nicht rückwirkend. Das war Altonas Glück. Denn somit lag im juristischen Sinne keine Pflichtverletzung Altonas vor.
Altonas Vorsitzender Törber: „Teutonia nervt nur noch“
Die vor dem juristischen Derby-Ärger begonnene Zusammenarbeit mit Teutonia 05 unter anderem in den Bereichen Jugendarbeit und Platzkapazitäten sei durch Teutonias Verhalten vom Tisch. „Teutonia hat gerade selber so einen Fall in ihren Reihen. Die sollen mal ganz ruhig sein. Sie haben das Derby nicht fair verloren. Das nervt nicht nur mich. Das nervt vor allem unsere Fans.“ Eine große Aktion mit Anti-Teutonia-Aufnähern sei in der Altonaer Fanszene bereits gestartet worden. „Unsere Fans sind kreativ und möchten gerne ihre Meinung zu diesem Vorfall zum Ausdruck bringen. Das finde ich absolut okay.“
Aufseiten von Teutonia 05 hatte sich zuletzt Teutonias Trainer Mehdi Saeedi-Madani irritiert über die Wut der Fans von Altona 93 gezeigt. „Ich finde es nicht okay, dass auf unserem Platz irgendwelche Banner angebracht werden“, befand er nach der Pressekonferenz des Oberligaspiels beim USC Paloma.
Teutonias Präsident Kuntze zu Altonas 93: „Respektlos!“
Teutonias Präsident Siegmar Kuntze wiederum ahnte die Folgen des Protestes für die von ihm angestrebte Zusammenarbeit mit Altona 93 voraus. Verhindern kann er sie nicht. „Wir wollten eine Prüfung und wir akzeptieren das Urteil“, sagte Kuntze zur jetzt gefallenen Entscheidung. Törbers Vorwurf, es gebe bei Teutonia einen ähnlichen Fall wie Saric, wies er zurück: „Das ist falsch. Mir ist kein ähnlicher Fall bei uns bekannt.“
Töbers Aussagen und das Verhalten der Fans von Altona 93 seien aus seiner Sicht enttäuschend. „Dass Altona 93 es nötig hat, uns so zu diskreditieren und so respektlos zu behandeln, weise ich in aller Form zurück. Wir haben Mails bekommen, unser Protest zeuge von mangelnder Loyalität gegenüber Nachbarn. So etwas kann ich wirklich nicht nachvollziehen“, so Kuntze. An einem vernünftigen Verhältnis zwischen beiden Vereinen habe er aber weiter ein großes Interesse.
